Kategorien
Allgemein

Die Corona-Warn-App: Vertrauen in die Betreiber und Wahrnehmung von Nutzungsvorteilen als entscheidende Faktoren

Die deutsche Corona-Warn-App ist seit dem 16. Juni in den App Stores verfügbar und wurde seither mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen. Wir hatten bereits vor drei Monaten in einem früheren Blog-Eintrag über erste Ergebnisse einer Studie berichtet, die an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt wurde und die Nutzungsmotive der App untersuchte. In diesem Blogeintrag hatten wir über vorläufige Ergebnisse der Studie berichtet. Nun sind die Analysen des ersten Erhebungszeitpunktes abgeschlossen und wir können detaillierte Ergebnisse beschreiben.

An der Studie, die eine Woche nach dem Erscheinen der Corona-Warn-App durchgeführt wurde, nahmen 952 deutsche Smartphone-Nutzer*innen teil, die älter als 18 Jahre alt sind. Im Hinblick auf Alter und Geschlecht der Proband*innen ist die Stichprobe repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (ab 18 Jahren). Der Frauen- und Männeranteil war folglich ausgeglichen und das Alter der Teilnehmenden lag bei etwa 44 Jahren. 38% der Proband*innen gaben an, die App zu nutzen.

Generell zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Vertrauen in die Betreiber der App und Wissen über das Funktionieren der Anwendung: wer viel Wissen aufwies, hatte auch ein hohes Vertrauen. Wissen darüber, wie die App funktioniert reduzierte Privatheitssorgen, die mit der App assoziiert wurden und erhöhte gleichzeitig die Nutzungsmotivation. Vertrauen in die App-Betreiber reduzierte ebenfalls die empfundenen Sorgen, allerdings in einem viel größeren Ausmaß als Wissen. Darüber hinaus zeigte sich, dass Personen, die Vertrauen in die Betreiber der Anwendung angaben, auch hohe Vorteile der App-Nutzung wahrnahmen.

Es zeigte sich außerdem, dass Menschen eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen der App vornahmen: Personen, die sich Sorgen aufgrund einer möglichen Verletzung ihrer Privatsphäre machten, wiesen eine geringere Nutzungsmotivation auf, wohingegen Personen, die die Vorteile der App wahrnahmen, eine deutlich erhöhte Nutzungsmotivation hatte. Der Faktor der empfundenen Vorteile überwog dabei deutlich in dem Sinne, dass die wahrgenommenen Vorteile einen stärkeren Einfluss darauf nehmen, ob die App zukünftig genutzt wird.

Im Gegensatz zu den vorläufigen Ergebnissen lässt sich hier die relative Wichtigkeit der einzelnen Faktoren im Entscheidungsprozess, die App zu nutzen, ableiten. Es wurde deutlich, dass Vertrauen in die Betreiber der App sowie die empfundenen Vorteile der App-Nutzung als entscheidende Faktoren fungierten. Personen, die den App-Betreibern vertrauten, nahmen wesentlich mehr Vorteile wahr und hatten gleichzeitig auch bedeutend weniger Privatheitsbedenken. Die Ergebnisse deuteten ebenfalls darauf hin, dass Vertrauen und Wissen über die Funktionsweise der App stark positiv korrelieren, allerdings lässt sich daraus kein Kausalzusammenhang ableiten: beide Faktoren könnten sich also gegenseitig beeinflussen. Bedenken hinsichtlich möglicher Privatheitsverletzungen verringerten zwar die Nutzungsmotivation, allerdings hatten sie einen deutlich geringeren Einfluss als die wahrgenommenen Vorteile.

Insgesamt betrachtet lässt sich aus den Ergebnissen also ableiten, dass es in erster Linie entscheidend ist, Vertrauen in die App aufzubauen und die Vorteile der Nutzung klar zu kommunizieren, will man Menschen von der Nutzung der App überzeugen. Allerdings scheint Wissen über das Funktionieren der Anwendung ebenfalls von großer Wichtigkeit zu sein, da Vertrauen hierdurch offenbar ebenfalls gebildet werden kann. Das Ausräumen von Privatheitsbedenken sollte zwar keinesfalls außer Acht gelassen werden, allerdings scheinen Vertrauen und Wahrnehmung der Vorteile entscheidendere Rollen zu spielen. Bemerkenswert ist ebenfalls, wie stark die empfundenen Vorteile mit der Nutzungsmotivation zusammenhängen, obwohl es sich in erster Linie um Vorteile handelt, die nicht den eigenen Schutz, sondern den Schutz von anderen Personen betreffen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.